Die Natur erwacht
Der lange österreichische Winter neigt sich dem Ende zu und der Frühling zeigt sich allmählich von seiner besten Seite. Das Ende des Jahres 2024 war sehr intensiv und der Beginn des neuen Jahres günstig für Selbstreflexion und Studium, ein Rückzug ist immer notwendig, um die Inspiration zu nähren. Einige Bücher und Partituren haben meine Bibliothek bereichert und es ist immer eine große Freude, Neues zu entdecken, noch dazu auf analogem Wege. Das geht leider verloren.
Wien hat im Winter eine gewisse morbide Poesie, die frühe Dunkelheit der Tage fördert die Konzentration und lässt neue kreative Prozesse entstehen.
Bald erwacht die Natur, und auch das Leben im Freien ist eine Quelle der Inspiration. Bei einem Spaziergang stößt man auf eine Gedenktafel, die darauf hinweist, dass ein bestimmter Komponist oder Musiker an diesem Ort gelebt hat. Im Umkreis von einem Kilometer meines Wohnbezirks starben Anton Bruckner, Franz Schubert, Johannes Brahms und Antonio Vivaldi. In meiner Nachbarschaft lebten Jean Sibelius, Hugo Wolff, Christoph Willibald Gluck, Wolfgang Amadeus Mozart, Karol Szymanowski, Richard Strauss, Anton Dvorak... und all die anderen, die ich noch nicht kenne. Dieser Ort muss eine besondere Energie haben, wenn er all diese Genies anzog. Für uns Wiener Musiker ist es ein großes Privileg, von diesen Schwingungen umgeben zu sein und immer wieder daran erinnert zu werden, dass es immer auch eine höhere künstlerische Dimension gibt.
In dieser anregenden Atmosphäre sind neue Projekte in Vorbereitung, und nachdem ich im vergangenen Jahr meinen Bruckner-Zyklus abgeschlossen habe, ist es, als würde sich mir mit der Veröffentlichung meiner ersten CD „Richard-Strauss-Tage-Edition“ ein neues musikalisches Terrain erschließen. Diese ist der Auftakt zu meinem Zyklus der Sinfonischen Dichtungen von Richard Strauss als Conductor in Residence der Richard-Strauss-Tage Garmisch-Partenkirchen und ich freue mich besonders auf die erste Zusammenarbeit mit dem Münchner Rundfunkorchester.